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Die fünfsaitige Geige „Milanolo“

 

MilanoloDie fünfsaitige Geige „Milanolo“ ist im Geigenbauatelier Bursik in Brün in Zusammenarbeit von drei Geigenbaumeistern zweier Generationen entstanden – Jan Hus Bursík und seine Söhne Jan und Bronislav. Die Verbindung dieser drei Individualisten hat zur Entstehung eines Instrumentes geführt, das die Schönheit des Klangs von Geige und Bratsche vereinigt. Als Inspiration für dieses Instrument ist das Modell Guarneri del Gesù geworden, das überarbeitet wurde für Klangansprüche einer fünfsaitigen Geige.

Für dieses Instrument wurde erstklassiges Material aus dem  Holzschatz der Geigenbauer ausgesucht, das der Grund für die hohe Klangqualität von „Milanolo“ ist. Die Decke aus Fichte mit gleichmäßigen Abständen der Jahresringe, ist schätzungsweise 60 Jahre alt und stammt aus dem Schwarzwald (Deutschland). Die vielfältige und tiefe Flammung des Ahornbodens schmückt den Rücken aus einem Stück Holz. Es handelt sich um 50jährigen bosnischen Ahorn.

Dank durchdachter und geänderter Konstruktion hat man auf dem Instrument eine ausgezeichnete Spielbarkeit erreicht. Durch Verbreiterung der Zargen, das heißt durch Vergrößerung des Innenraumes des Instrumentes und durch innovative Abstimmung der Decke und des Rückens, zeichnet sich das Instrument durch Vermehrung von aliquoten Tönen aus.

Die Schnecke und die ganze Halsform wurden konzipiert in Betracht auf die Notwendigkeit der fünften „C“-Saite, und um das Idealgewicht zu erhalten, das sich mit der Ästhetik der ganzen Form verknüpft. Weil die „C“-Saite auf dem letzten Wirbel im Wirbelkasten platziert ist, hat man die ideale Spannung dieser tiefsten Saite und damit auch die Verbesserung ihres Klangcharakters erreicht. Das Instrument behält klare, bunte und helle obere Saiten, wobei die unteren Saiten mit Bratschenklang klingen. Der angenehme und sehr geschmeidige Öllack, gemischt nach alten italienischen Rezepten, verbindet essenzielle Öle mit elastischen Harzen. Diese Kombination erhält im Lack hohe Elastizität, die die Vibrationen nicht dämpft und die ganze Resonanz unterstützt. Der Lack gibt dem Instrument ein wundervolles Aussehen und ist hoch transparent zur Ansicht der Maserung des ausgesuchten Holzes. Das Spiel des Lichtes und der Farben, das ausgestrahlt wird, potenziert den ganzen tiefen Eindruck von diesem unikaten Instrument.

Der Gedanke, eine fünfsaitige Geige zu erschaffen, ist in Zusammenarbeit des Geigenbauateliers Bursik mit Virtuose Milan Paľa entstanden, also einer Kooperation von drei Geigenbaumeistern und eines Musikers, der sowohl das Geigen- als auch das Bratschenspiel meisterhaft beherrscht.

Milan Paľa ist mit seiner hervorragenden Interpretation und brillianten Skala des Spiels auf der Geige und der Bratsche zur Inspiration für den Bau eines einzigartigen Instrumentes geworden, welches seinen Namen trägt: „Milanolo“. Komplexes Spiel auf diesem Instrument, sowohl physisch als auch mental, verwandeln sich in Milans Händen in reine Kunst und Genuss, der die heutige Form der Klassischen Musik übersteigt.

Dieses Instrument ermöglicht dem Solisten, auf bisher unvorstellbare Art, das Repertoire zu vergrößern und auf diese Weise Werke für Geige, Bratsche und sogar Violoncello zu spielen.

Fünfsaitige Geige bieten auch für Komponisten neue, umfangreiche Möglichkeiten und auch die Zuhörer können selbstverständlich in einem Augenblick die Verknüpfung der Klangqualitäten von Geige und Bratsche genießen und so ein einzigartiges, bisher nie gehörtes Klangerlebnis wahr nehmen.

Übersetzung: Jozef Novotný

Ateliér Bursík